Kulturelle Strategien und soziale Ausgrenzung

Komplexe Prozesse

Soziale Ausgrenzung und Inklusion sind komplexe Prozesse, die sich nicht auf ihre kulturelle Dimension allein zurückführen lassen.

Soziale Ausgrenzung ist ein Geschehen, das auf mehrere verschiedene, nicht allein auf kulturelle Bedingungen zurück zu führen ist. Besonders dramatisch kann soziale Ausgrenzung für die Betroffenen sein, wenn sich wirtschaftliche, rechtliche, bildungsbezogene und kulturelle Faktoren kumulieren, sich beispielsweise wirtschaftliche Armut mit politisch erzeugter Diskriminierung und kulturellen Mustern der Stigmatisierung verbindet. Dann wird Ausgrenzung vor allem in einer Verbindung struktureller und kulturellen Faktoren auf Dauer gestellt. Die Handlungsspielräume der Betroffenen in den wichtigsten gesellschaftlichen Subsystemen – Wirtschaft, Bildung, Gesundheitsversorgung, Recht u.a. –  schrumpfen drastisch, der Mensch ist ausgeschlossen von Mitgliedschaft in Bereichen,  die  eine geradezu existentielle Bedeutung für die Lebensführung haben.

Die hier zugrunde gelegte Unterscheidung zwischen sozialer Struktur und kulturell-symbolischer Gestaltung ist deshalb wichtig, weil sie Grenze und Reichweite von Kulturarbeit im Zusammenspiel verschiedener Faktoren genauer zu bestimmen erlaubt. Dabei wird das Potential von Kulturarbeit in Relation zu solchen Teilsystemen zu untersuchen sein, die nicht in erster Linie dem kulturellen Sektor zugerechnet werden. Um gar der „sozialen Spaltung“ Einhalt zu gebieten, muss nämlich wesentlich mehr geschehen, als von den vergleichsweise schmalen Schultern der Kulturarbeit je getragen werden könnte.

Entsprechend jener strukturellen Seite sozialer Ausgrenzung sind auch Prozesse der Inklusion bzw. Integration in starkem Maße von eben solchen, nicht allein symbolisch-ästhetischen Gestaltungsformen abhängig. Erfolgreiche Strategien sozialer Inklusion sind darauf angelegt,  jene Strukturbedingungen im Einzelnen so zu verändern, dass die Chancen zur Teilhabe wirtschaftlich, rechtlich und bildungssystematisch abgesichert, aber zugleich durch einen kulturellen Wandel von Deutungs- und Handlungsmustern begleitet werden müssen, der die Anerkennung des Verschiedenen statt Ausgrenzung, der Vielfalt statt Einfalt ausbuchstabiert.

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