Kulturelle Strategien und soziale Ausgrenzung

Funktionen und Grenzen von Funktionserwartungen, Funktionszuschreibungen

Die strategische Rahmung von Kulturarbeit ist Kulturpolitik. Wenn Kulturarbeit die Funktionserwartung erfüllen soll, Querschnittsaufgaben zu übernehmen, wird sie auf das Zusammenspiel letztlich aller Politikbereiche angewiesen sein, genauer: Kulturpolitik hätte mit Sozial-, Bildungs-, Wirtschafts-, Finanz-, Gesundheits- und anderer Politik zusammen zu arbeiten.

Was sie aber nicht kann – und auch nicht anstreben sollte -, ist, an die Stelle anderer Instanzen zu treten, Aufgaben zu übernehmen, die sie nicht lösen kann, in Dienst genommen zu werden für Versäumnisse und Versagen der Teilsysteme Wirtschaft, Recht, Bildung. Kulturarbeit ist nicht verantwortlich für Strategien der Ökonomie, der Jurisdiktion, der Bildungs-, Migrations-, Gesundheits- oder Verkehrspolitik. Ihre Stärke ist die Artikulation, das Aufmerksamkeits-Erzeugen, das Audio-Visualisieren. Aber wenn die Lichter gelöscht und die Hochglanzplakate eingerollt sind, haben die Individuen es mit ihrer eigenen Lebensbewältigung zu tun und stehen in der Exklusions- bzw. Inklusionslogik anderer Teilsysteme. Verglichen mit Steuerungsstrategien, die dazu in allen anderen Bereichen nötig sind, ist sie jedoch lediglich eine Facette mit der Eigenschaft, manchmal starken, nicht selten aber auch sehr geringen Einfluss zu haben. Am fragwürdigsten aber ist die Kulturalisierung sozialer Probleme: als könnten Kulturprojekte die Strukturprobleme nicht nur artikulieren, sondern ursächlich lösen. Damit würde Kulturarbeit zur Trägerin einer im Kern ideologischen Zuweisung von Inklusionsaufgaben.

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